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Texport Action Days 2008

Wärmegewöhnung und Bekleidungstest mit der Firma Texport an der Lokhalle in Göttingen und Besuch der Wärmegewöhnungsanlage der Firma FeurEx an der FTZ Potzwenden

 

Im Rahmen der Jubiläumsveranstaltung der Feuerwehr Göttingen hatte unser Kamerad Bernhard Brack die Möglichkeit an den Texport Action Days teilzunehmen. Dazu später ein Erlebnisbericht. Am 20.09.08 konnte unser Kamerad Thorsten Köwing die Wärmegewöhnungsanlage der Firma Feurex in Potzwenden besuchen.

Um einen Einblick in die Ausbildung zu geben und vor allem um die Vorteile einer realitätsnahen Atemschutzausbildung darzustellen hat die Firma Feurex aus Oberhausen ihre feststoffbefeuerte Wärmegewöhnungsanlage an der Feuerwehrtechnischen Zentrale des Landkreises Göttingen in Potzwenden in Position gebracht.

Atemschutzgeräteträgern aus der Umgebung sollte die Möglichkeit geboten werden, sich und ihre Ausrüstung besser kennenzulernen. Zu Beginn wurde in einem kurzen Vortrag die Anlage vorgestellt, sowie einige Techniken zum Innenangriff sowie die Philosophie des Feurex Ausbildungskonzeptes vorgestellt.

Der praktische Teil im Freien bestand aus Strahlrohrtraining und Wärmegewöhnung: Es wurden also die Handhabung und die Funktionsweise eines modernen Hohlstrahlrohres erklärt. Die gängige Praxismeinung ist heutzutage, dass ohne Hohlstrahlrohre kein effektiver Innengraff durchgeführt werden kann. Die Tröpfchenbildung und somit Kühlwirkung des Wasser ist um ein vielfaches besser als bei konventionellen Mehrzweckstrahlrohren. Gleichzeitig wird der Wasserschaden geringer.

Der zweite Teil bestand aus einem 20 minütigem Durchgang in der feststoffbefeuerten Wärmegewöhnungsanlage. Im ersten der drei Container war die Temperatur ca. 80°C hoch. Man sollte sich nach dem ordnungsgemäßen Öffnen der Tür an die Temperatur gewöhnen. Im inneren war durch die unkelheit und die Verqualmung nichts zu sehen. Zum weiteren Vorgehen mussten weitere Türen geöffnet werden. Im letzten Container war die Temperatur nur noch tief geduckt zu "ertragen". Auf Höhe des Türgriffes liegt die Temperatur im dritten bei ca. 200°C! Wieder draußen gab es eine Nachbesprechung und die Teilnehmer mussten sich langsam wieder runterkühlen.

Die Wärmegwöhnungsanlage ist eine eindrucksvolle Erfahrung für alle Atemschutzgeräteträger und sollte langfristig ein fester Bestandteil der Ausbildung werden. Allerdings sollte man die Ausbildung in mehreren Phasen durchführen und nicht mit den "Königsdisziplinen" (Wärmegewöhnungs- und Rauchgasdurchzündungsanlage) beginnen,sondern die Herausforderungen langsam steigern.

 

 

  

 

 

 

 

 

 

     

Fotos und Bericht: Christian Rambow


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Wie  schon aus dem Vorbericht zu entnehmen war, habe ich an den Action Days in Göttingen teilgenommen.

Vorab möchte ich den Sinn und Zweck dieses Tages zusammenfassen. Es ging darum Schwachstellen bei der persönlichen Schutzbekleidung zu erkennen um auf die Gefahren aufmerksam zu werden welche sich gerade bei einem Innenangriff durch die besonders starke Hitzeentwicklung ergeben.

Das Thema wurde uns theoretisch durch Mitarbeiter verschiedener Produkthersteller und der Fa. Feurex, die vor allem für den praktischen Teil der Ausbildung zuständig war, näher gebracht.

Natürlich sind uns die Gefahren durch theoretische Ausbildung und ggf. praktische Einsatzerfahrung hinlänglich bekannt. Doch gibt es Situationen im Einsatz die vermutlich die wenigsten von uns (glücklicherweise) bisher erlebt haben, z.B. den „Flashover“ . Bislang habe ich unsere PSA nicht in Frage gestellt, da ich davon ausging, dass auch im Fall eines Innenangriffs durch die Kombination aus der Niedersachsen Überjacke und der einfachen Feuerwehr Baumwollhose ein ausreichender Schutz geboten ist. Mir sind zwar auch Schwachstellen dieser Bekleidung bekannt gewesen z.B. dass die Hose nicht wasserdicht ist. Na und, hab ich immer gedacht „ wir sind Feuerwehrleute und keine Waschlappen“,  wer von uns hat schon Angst vor Wasser. Aber dass dies ein enorm hohes Risiko mit sich bringt, daran hab ich nie gedacht. Ausführlicher nehme ich dazu am Ende des Berichts Stellung.

Als wir den theoretischen Teil des Unterrichts bei der Berufsfeuerwehr Göttingen abgeschlossen hatten, wurden wir mit Bussen zur Lokhalle gefahren, um in der WGA (Wärmegewöhnungsanlage) am eigenen Körper zu erleben, was wir vormittags besprochen hatten. Glücklicherweise wurden wir durch die Fa. Texport mit hochwertiger Einsatzbekleidung ausgestattet. Ich war auch gleich an der Reihe, um mit der ersten Gruppe in die WGA zu gehen. Unser Team bestand aus drei Kameraden und wurde durch einen erfahrenen Feurexmitarbeiter ( leider nicht Martin ) begleitet.

Im ersten Container bestand die Aufgabe darin, sich im völlig dunklen Raum als Team zu orientieren und gemeinsam den Weg über und durch verschiedene Hindernisse zu bewältigen. Die Temperatur war schon ganz ordentlich. Zwischenzeitlich wurden wir aufgefordert, unseren Handschuh auszuziehen, um festzustellen wie heiß die Umgebungstemperatur ist. Es war absolut vertrauenserweckend, wie gut die Bekleidung mit dieser enormen Hitze fertig wurde. Nach gefühlten 5 Minuten krochen wir in den zweiten Container. Unsere Aufgabe hier: „Zwei vermisste Personen aus einem verrauchten Zimmer zu retten.“ Dieses Zimmer war verraucht und dunkel, so dass man kaum etwas sehen konnte. Kriechend robbten wir Hand an Hand durch das Zimmer, schoben Möbel beiseite und letztlich konnten wir auch beide Personen unversehrt retten. Für diese Aktion haben wir nicht mehr als weitere 5 Minuten gebraucht und doch habe ich mich in dieser Zeit unter der enormen Hitzeeinwirkung stark anstrengen müssen. Nachdem wir diesen Container verlassen hatten, hatte ich  kurzzeitig ein ziemlich beklemmendes Gefühl, da mir mittlerweile wirklich heiß wurde. In der Schleuse, während wir durch unseren Coach die Ansage für den dritten und letzten Container bekamen, habe ich mich zur Entspannung und leichten Abkühlung so tief es ging auf den Fußboden gelegt, was mir auch weiterhalf.

Nun haben wir uns in dem Brandraum befunden, wo uns die Auswirkungen des Löschens in einem aufgeheizten Raum gezeigt wurde. Es wurden dazu ca. 10 Liter Wasser gegen die Wand gespritzt. Was sind 10 Liter beim Löschen? Unser Tanklöschfahrzeug hat schließlich 1800 Liter im Bauch. Doch das Ergebnis, mit welcher Intensität der Wasserdampf von diesen 10 Litern das ist immerhin verdampft ein Volumen von 17000 Litern selbst bei dieser super Bekleidung durchdringt war beeindruckend. Mit anderen Worten: „ Es wurde echt heiß“ und ich war froh, als das Kommando zum Rückzug aus der Tür nach draußen gegeben wurde.

Nach einer Pause und Erfrischungsgetränken ging es dann unter Atemschutz noch zur taktischen Löschtechnik mit Hohlstrahlrohren. Auch hier zeigte sich die Bekleidung als äußerst wirkungsvoll. Wir waren von oben bis unten nass, aber es kam nicht ein Tropfen durch die Hose oder Jacke. Außerdem waren die Hosen mit Polstern im Kniebereich ausgestattet was auch eine kniende Position auf dem Schotterplatz erlaubte. Bei unserer Hose wäre daran überhaupt nicht zu denken, außer man nimmt im Anschluss eine neue Kniescheibe von Otto Bock in Kauf.

Für mich war dieser Tag ein absolutes Highlite in der praktischen und theoretischen Feuerwehrausbildung, so dass ich zu dem Schluss komme, dass diese Art der Ausbildung für jeden Feuerwehrmann mit Atemschutzgeräteträgerausbildung ein Muss sein sollte. Zum einen weiß man danach deutlich besser worauf man sich bei einem Innenangriff einlässt und man kann mit dieser Stresssituation im Einsatz besser umgehen und somit dem Auftrag der Rettung oder Brandbekämpfung gerechter werden.

Folgende Probleme habe ich an diesem Tag an unserer Einsatzhose festgestellt:

1.      Sollte die Hose vor oder während des Innenangriffs durchnässen, würde das zwangsläufig dazu führen, dass sich durch die enorme Hitzeeinwirkung von zum Teil 250° C die Hose zu einem Dampfbügeleisen entwickelt und der Einsatz sofort mit allen damit verbunden Konsequenzen abgebrochen werden müsste. Ganz zu schweigen von den Verbrennungen an den Beinen, die immerhin gut ein Drittel der gesamten Hautoberfläche darstellen und es auch somit zu lebensbedrohlichen Verbrennungen kommen könnte.

2.      Durch den Löschangriff mit Wasser kommt es zu einer schlagartigen Ausdehnung von Wasserdampf,  der mit der entsprechenden Raumtemperatur mit voller Härte den Feuerwehrkameraden trifft und durch jeden normalen Stoff sofort durchdringt und somit das gleiche Ergebnis wie unter Punkt 1 hervorrufen würde.

3.      Bei der Hitzeeinwirkung einer Rauchgasdurchzündung wird die komplette Hose schlagartig verbrennen und der Feuerwehrkamerad wäre der Hitze schutzlos ausgeliefert.

4.      Ein sicherlich ein geringeres Problem, aber auch unangenehm: Bei Einsätzen im Regen, z.B. in der kalten Jahreszeit, ist der Feuchtigkeitsschutz max. 5 Minuten gegeben und dann wird es nass und kalt. Die eventuell daraus resultierende Erkältung findet der Arbeitgeber bestimmt nicht gut. Erst hat er den Mitarbeiter zwei Stunden vom Dienst zum Wohl der Allgemeinheit freigestellt, und dann bekommt er zum Dank eine Krankmeldung von einer Woche.

5.      Unsere Einsatzhose  ist zwar sehr bequem, aber sobald es darum geht in kniender sicherer Haltung vorzudringen, muss man auf der Kniescheibe ohne irgendein Schutzpolster über Steine, Glas, Nässe, Glut und vieles mehr krabbeln.

Es ist mir bekannt, dass schon einige Feuerwehrkameraden das Thema der Überhose bei den entsprechenden Stellen angesprochen haben und es mit der Begründung  des „Wärmefensters“ abgelehnt wurde.

Das Wärmefenster: Damit ist gemeint, dass der Feuerwehrmann bei allzu guter Bekleidung nicht mehr erkennt, wann die Innenraumtemperatur einen Rückzug erfordert. Somit wird darauf verwiesen, dass bei einer einfachen Hose der Wärmedurchschlag frühzeitig gegeben ist und der Feuerwehrmann sich nicht zu weit vorwagt.

Dieser Argumentation kann ich allerdings nicht folgen, denn was nützten mir eine gute Jacke, Helm, Brandschutzhaube, Handschuhe und Stiefel, wenn ich im Fall einer der o.g. Punkte überrascht werde und mir im schlimmsten Fall die kompletten Beine verbrenne. Außerdem habe ich am eigenen Körper erlebt, dass trotz bester Bekleidung, die Hitze im Laufe der Zeit auf den Körper durchdringt und jeder einzelne vor ernsten Verbrennungen einen Rückzug antreten würde.

Ich bin der Überzeugung, dass wir alle, die freiwillig ihre Freizeit zum Wohl der Allgemeinheit in den Feuerwehrdienst stellen, auch einen maximalen Schutz der eigenen Gesundheit erwarten dürften.

 

Mein Fazit: Bisher habe ich mit unserer Einsatzbekleidung einfach nur sauviel Glück gehabt, dass  ich immer mit „heiler Haut“ von den Löscheinsätzen nach Haus kam.

 

Bernhard Brack


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